06.11.2019

„Wir sind die Schnittstelle zwischen Menschen und Institutionen“

Foto oben: Jan Hulvershorn (obere Sitzreihe vorderer Tisch, 2.v.r.) und Lisa Reinemann (4.v.r.) bei "Lohberg frühstückt"

Lisa Reinemann und Jan Hulvershorn sind seit dem Frühjahr 2019 als Quartiersmanager in Lohberg aktiv. Sie wollen möglichst viele Menschen ansprechen, vorhandene Angebote bekannter machen und zum positiven Image des Stadtteils beitragen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Kinder, Jugendliche und ihre Familien.

 

Im kql.de-Interview erzählen die Kulturpädagogin (31) und der Sozialpädagoge (30), was sie in Lohberg erreichen möchten und wie sie die Bewohner*innen einbeziehen. 

 

Gudrun Heyder: Sie haben im März bzw. April als „Quartierskümmerer“ im ersten Gemeinschaftsprojekt der Diakonie Dinslaken und des Forums Lohberg hier angefangen. Auf welche Dauer ist das Projekt angelegt?

 

Lisa Reinemann (LR): Es läuft bis Ende 2020, aber wir wollen anschließend weitermachen und versuchen, weitere Fördermittel zu bekommen. Zurzeit finanzieren beide Träger das Projekt selbst sowie mit Fördergeldern aus dem Projekt „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ von Landesregierung und Europäischem Sozialfonds (ESF).

 

Welche Ziele haben Sie?

 

Jan Hulvershorn (JH): Eins unserer Ziele ist bewusst zu machen, dass Lohberg zu Dinslaken gehört. Manche Strukturen sind etwas verkrustet. Wir möchten die Lohberger und die Menschen aus den anderen Stadtteilen mehr in Kontakt bringen. Manche igeln sich hier ein bisschen ein und andere kommen nicht hierhin, weil sie die positiven Seiten und die vielen Angebote in Lohberg nicht kennen.

 

Wie sehen Sie Lohberg und sein Image derzeit und wie könnte es sich verbessern?

 

LR: Lohberg ist bunt, vielfältig und hat eine gute Nachbarschaft. Die Menschen sind offen und hilfsbereit, man kennt sich. Diese Qualitäten möchten wir bekannter machen und zu einem besseren Image beitragen.

 

JH: Lohberg ist viel, viel mehr, als die alten Vorurteile über den Stadtteil aussagen. Hier gibt es wie in jedem anderen Stadtviertel Schattenseiten, aber auch sehr viele Lichtblicke.

 

Ich habe gelesen, dass Sie als Stadtteilmanager „alle“ erreichen möchten, das ist ein ehrgeiziges Ziel. Oder stehen bestimmte Zielgruppen im Vordergrund?

 

LR: Wir haben „alle“ gesagt, um zu verdeutlichen, dass wir für jede und jeden ansprechbar sind und uns freuen, wenn die Menschen mit ihren Anliegen und Wünschen zu uns kommen. Unsere Hauptzielgruppen sind Kinder, Jugendliche und ihre Familien, also alle Generationen.

 

JH: Wir möchten auch Menschen erreichen, die vorhandene Angebote in Lohberg bisher nicht wahrgenommen haben, das ist eine große Herausforderung.

 

Wie haben die Anwohner*innen bisher auf Sie reagiert?

 

JH: Da ist alles dabei - von Skepsis bis zu Interesse und erfreuten Reaktionen. Manche sagen „Ihr seid ja eh bald wieder weg“, weil sie erlebt haben, dass gute Projekte oft zeitlich begrenzt sind. Offene Ablehnung haben wir noch nie erlebt.

 

Wie können Sie dabei helfen, das „alte“ Lohberg, das neue Wohnquartier und das KQL näher zusammen zu bringen, was ein übergeordnetes Ziel für den Stadtteil ist?

 

LR: Wir gehen bewusst auch auf die Neu-Lohberger*innen zu. Eine neu zugezogene Dame engagiert sich beispielsweise sehr im Projekt „Miteinander Reden“, das vor allem das Forum Lohberg e.V. unterstützt und fördert. Sie sagt, dass die neuen Anwohner*innen noch sehr beschäftigt sind mit ihren Häusern und Gärten, dem Kennenlernen ihrer Nachbarn und dem Zurechtfinden am neuen Wohnort. Bis sie nähere Kontakte zum „alten Lohberg“ aufnehmen, brauchen viele noch etwas Zeit.

 

JH: Um zum Überwinden der Hünxer Straße zu ermuntern, wählen wir für Veranstaltungen bewusst Orte wie den Marktplatz, wie etwa am 3. Oktober bei „Lohberg frühstückt“.

 

Wie machen Sie sich und Ihre Aktivitäten bekannt?

 

JH: Wir bieten persönliche, individuelle Sprechstunden nach Vereinbarung an. Jede Woche machen wir Quartiersrundgänge. Und wir sind online präsent in „Lohberg Mittendrin“ und auf Instagram mit dem Hashtag #Lohberganderssehen. Hin und wieder gehen wir auch in die Presse, so zuletzt mit unserer Aktion „Lohberg frühstückt“, einem Gemeinschaftsprojekt einiger Akteur*innen aus Lohberg.

 

Wie viele Wochenstunden arbeiten Sie in Lohberg?

 

JH: jeweils knapp 30 Stunden.

 

Und wie groß ist Ihr Etat für Angebote?

 

LR: Unser Budget ermöglicht kleine und mittlere Projekte. Wir können etwa externe Fachleute zu bestimmten Themen für ein, zwei Tage hinzuziehen.

 

Nach welchen Kriterien richten sich Ihre Aktionen?

 

JH: Wir wollen Doppelungen vermeiden und verstehen uns als Schnittstelle zwischen den Menschen und bestehenden Institutionen und Angeboten. Wir arbeiten viel strukturell und organisatorisch, aber auch praxisorientiert. Wir wollen Synergieeffekte nutzen.

 

Welche eigenen Aktionen haben Sie schon durchgeführt und welche sind geplant?

 

LR: Mit den Maxigruppen der Kitas und Grundschulkindern aus Lohberg besuchen wir seit Anfang Oktober jede Woche einen Naturerlebnishof in Duisburg. Für einen Comiczeichenkurs mit Jugendlichen gab es im Oktober einen Schnuppertermin, daraus soll ein dauerhaftes Angebot werden. Geplant ist die Fortführung im Dezember und ins neue Jahr hinein. Hierüber informieren wir auf den bereits genannten Wegen.

 

JH: Wir würden auch gerne ein Hip-Hop-Projekt durchführen, da überlegen wir, in welcher Größenordnung wir das stemmen können. Eine „Lohberg Olympiade“ soll 2020 in der Zechenwerkstatt stattfinden. Mit dem Forum Lohberg organisieren wir wieder ein Kinderfest.

 

LR: Zur Kommunalwahl nächstes Jahr planen wir ebenfalls Angebote, die Jugendliche und Erwachsene in Lohberg mitgestalten sollen.

 

Zu Ihnen persönlich: Sind Sie aus Dinslaken bzw. Lohberg? Was hat sie motiviert, dort als Quartiersmanager zu arbeiten?

 

JH: Ich bin zwar in Oberhausen geboren, lebe jedoch seit jeher in Dinslaken und habe meine Kindheit und Jugend vor allem in Eppinghoven, aber auch in den übrigen Stadtteilen in Dinslaken verbracht. Einen besonderen Bezug zu Lohberg habe dann insbesondere während meiner letzten knapp sechs Berufsjahren entwickelt. Seit dieser Zeit bin ich nun in Lohberg pädagogisch tätig und durfte den Stadtteil und zumindest einen Teil seiner Einwohner*innen kennen und schätzen lernen.

 

LR: Ich bin in Moers geboren, habe lange in Duisburg gewohnt und bin der Liebe wegen nach Dinslaken gezogen. Ich hatte schon länger den Wunsch, mich beruflich in Lohberg zu engagieren. Als Kulturpädagogin und -managerin kann ich meine Kompetenzen gut für Lohberg einsetzen.

 

Interview: Gudrun Heyder

 

Kontakt

Lisa Reinemann: 0178/8863521 und lisa.reinemann@diakonie-din.de

Jan Hulvershorn: 0178/8216771 und jan.hulvershorn@diakonie-din.de

Instagram: quartiersmanagement_lohberg

 

 

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